Tatütataaa

Also die wirklich coolen...die wahren Helden sind die Feuerwehrmänner. Aber Polizist geht auch, ge?

Blau blau blau sind alle meine Kleider, blau blau blau ist alles was ich mag. Daaruhum lieb ich alles was so blau ist weil mein Schatz ein Polizihist ist. Na DAS klingt ja bescheuert! Haben wir das früher so gesungen? Gut. Wohl nicht. Die Uniform des Polizisten war früher grün. Und grün ja grün- galt dem Förster. Gabs überhaupt den Polizist? Also in dem Lied? Man hätte eine ganze Silbe reinquetschen müssen. Ich tu es mir tatsächlich an und recherchiere im Netz. Ich höre es mir sogar an. Von vorne bis hinten. Schlimm, sag ich euch! Aber was tut man nicht alles. Ich bin jedenfalls überrascht, denn das Lied war keine Erfindung der DDR, sondern stammt aus dem 19.Jhdt. Sieh an.

Blau wird in dem Lied dem Matrosen oder Seemann zugeordnet. Was silbentechnisch genauso wenig passt.

Wie dem auch sei: Ich liebe einen Polizisten mit ner blauen Uniform. Letztens hat sich dieser Polizist beschwert, dass ich ihn noch nie erwähnt habe in meinen Texten. Wobei er an dieser Stelle den Finger heben würde mit einer Richtigstellung: Es war keine Beschwerde, sondern eine Anmerkung. Gut, dann hat er es eben angemerkt. Und ich habe darüber nachgedacht, an welcher Stelle ich ihn nun ins Spiel bringe.

Als er vor ein paar Tagen „anmerkte“, dass sie im Nachtdienst wieder zu wenig Leute seien und man es Jahre versäumt, bzw. viel zu spät angefangen habe für den Beruf zu werben klingelts in meinem Oberstübchen. Na siehste. Da haben wir doch den Aufhänger! Ich kann ja in meinem Blog mal einen Aufruf starten! Und während er sich nur an die Stirn tippt hab ich mich vor Lachen gebogen. (Vermutlich wird sich nach Erscheinen des Beitrags NIEMAND für den Job begeistern...ER ist seinen los und ich bin wieder Single.)

Es ist Wahnsinn, was in unseren Köpfen rum spukt zum Berufsbild des Polizisten. Was wir alles gespeichert haben an Assoziationen und natürlich Bildern aus dem TV. Und nicht zu vergessen: der Ruf, den so manch ein Polizist zu DDR- Zeiten genoss. Faule, fette Dummbrote.
Ganz ehrlich? So ein Exemplar wohnte auch unter mir im Haus während meiner Zeit in Nauen. Wenn er sich morgens auf seine Schwalbe hievte tat mir das Tier unendlich leid.
Als sein 9jähriger Spross mit Kumpels unseren Keller knackte und mit den Schallplatten meines Freundes Frisby aufm Hof spielte, während er sich Goldkrone in den Hals laufen ließ (also besser gesagt, sämtliche Reste unserer Einweihungsparty) stellten wir den Vater zur Rede. Also einerseits war es natürlich Assi, das Schloss aufzubrechen und die Sammlerstücke über den Hof zu schmettern und 2.: Hat ein 9jähriger keinen Alkohol zu trinken. Schon gar nicht im Beisein seines Vaters. Polizist hin oder her. Seine Erklärung: Ihm habe der Bengel gesagt, er habe den Fusel aufm Rummel gewonnen. Aha. Für mich war an der Stelle klar: Von dort musste dieser Idiot auch seinen Sheriffstern haben. Mein Gott.

Die Zeiten sind vorbei. Die Aufnahmetests sind hart. Körperliche UND geistige Fitness werden vorausgesetzt. (Meine Freundin Suse vermutet gar, dass seien heute alles keine richtigen Polizisten. Die seien nur gecastet. So gut wie die immer aussehen.) Hirn ist Pflicht. Obwohl mein Officer auf seinen Socken links ein L stehen hat und rechts demzufolge ein R. Das brauch er dann doch, gesteht er.

Humor ist keine Bedingung. Eher hinderlich. Deshalb haben viele von uns auch nicht unbedingt das blumigste Bild von den Wegelagerern, wie sie gern liebevoll genannt werden, wenn sie die Kelle schwingend hinter einem Baum hervorspringen und ihr Leben riskieren, nur weil du 35km/h überm Tempolimit warst. Dass der TÜV seit 5 Monaten abgelaufen ist können die ja wohl so schnell nicht gesehen haben, ge? Wütend kommst du aufm Acker zum Stehen und weißt: Die schöne Zeitersparnis ist nun Futsch.

Einmal- ich wohnte noch in Lohm- klingelte die Polizei an meiner Tür. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich fange sofort an zu schwitzen und zu überlegen, weshalb man mich nun zur Rechenschaft ziehen könnte. Der uniformierte Herr schüttelte meine Hand und stellte sich mit Lübeck vor. Diese Vorlage konnte ich nicht ignorieren und antwortete: Lohm. Keine Reaktion. Ich sag ja, Humor ist unerwünscht.

Es handelte sich um ein schlimmes Delikt. 20€ Verwarngeld, weil ein Freund von mir mit meinem Wagen zu schnell fuhr. (Natürlich konnte ich die 20€ nicht gleich bezahlen. Der Fahrer wird erstmal ausfindig gemacht. Aha.) Haben Sie eigentlich ne Ahnung, was sie anstellen, wenn Sie hier mitm Polizeiauto vor meiner Tür stehen? Was meinen Sie, was jetzt im Dorf geredet wird! gebe ich zu Bedenken. Dann machen wir es jetzt aber richtig. Sie legen mir Handschellen an und schleppen mich zum Auto. Und dann fahren wir einmal die Dorfstraße hoch und wieder runter! Das könne er nicht machen meint der Staatsdiener. Ich sag ja. Humorlos.

Jedenfalls habe auch ich so meine Vorurteile.
Als Tom (so heißt mein Officer) und ich das erste Mal telefonierten hat er mir erstmal nur gesagt, er sei ein langweiliger Beamter. Vor meinem geistigen Auge sah ich ihn krümelkackend in einem tristen Finanzamt hocken. Als er später meinte, er sei Polizist war kurz Ruhe auf meiner Seite. Aber in meinem Kopf fuhren die phantasievollen Bilder Achterbahn. Aber das ist ja....das ist ja...Grooooßartig! rief ich begeistert! Ein Polizist an meiner Seite!....Das eröffnet ja vööööllllig neue Möglichkeiten! Ich war außer mir und wurde von einem schlimmen Lachkrampf geschüttelt. Der Officer am anderen Ende der Leitung dachte wahrscheinlich, ich wäre A: total betrunken oder B. hätte gerade komplett den Verstand verloren. Dass ich ihm meine Ideen beschrieb machte die Sache nicht besser. Sieh mal, ich könnte dir eine Liste geben mit Namen von Leuten, mit denen du dich mal so gaaanz in Ruhe unterhalten solltest.

Mein Ex-Mann stünde da drauf (Wobei der Streit inzwischen beigelegt ist, er möge mir verzeihen. ;-) und mein Vermieter. Z.B. Und wenn du bei einer Tasse Kaffee deine Waffe vor dir auf den Tisch legst...? Das unterstreicht doch Argumente! Er gibt zu: Ja, so eine Waffe macht ein Gespräch viel dynamischer. Trotzdem lehnt er ab. Ok. Wie siehts aus mit Strafzetteln? Oder Polizeikontrollen? Kann ich da deine Visitenkarte zücken? Wieder NEIN. Schade. Bleibt also nur die Vorfreude auf eine gute Pension.

Noch immer habe ich tootaal gute Einfälle, wie ich ihn einsetze. Beispiel: Mein Sohn ist zu einer Party 4 Dörfer weiter eingeladen und fragt mich ernsthaft, ob ich ihn nachts abholen würde. Er müsste doch inzwischen wissen, dass ich da üüüberhaupt keine Lust drauf habe. Also frag ich meinen Officer, der heute Nacht im Dienst ist, wie weit sie eigtl.so rausfahren mit ihrem Dienstwagen. (Er arbeitet übrigens in Berlin). Er weiß sofort, worauf ich hinaus will und sagt nur: Vergiss es! Aber so großes Kino? Mannschaftswagen? Die Bude stürmen und Joseph abführen? Und er: Du bist doch nicht ganz dicht. Hmmm....Helikopter? wage ich einen letzten zaghaften Versuch.

Ich bin nicht allein mit meinen Phantasien. Mein Mittlerer bat mehrmals darum, dass der Officer nach Dienstschluss in seine Partyhöhle stürmt und ne fette Ansage macht von wegen Lärmbelästigung. Er selbst- so sein Plan- würde dann rausrennen und seine Kumpels allein stehen lassen. Also ICH konnte darüber richtig abfeiern!

Als ich mich mit meinem Freund Sommi in Berlin treffe und die letzte Bahn verpasse fragt er: Ok. Was müssten wir anstellen, damit Tom dich hier abholt? Reicht pöbeln? Was umschubsen? Klauen? Aufm Bahnsteig rauchen? Immerhin befanden wir uns im Revier meines Nachtdienst schiebenden Officers.

Wenn er uniformiert heimkommt und es sind Gäste da, überlegt die eine Hälfte, ob sie sich auf den Boden wirft und die andere krakeelt: Yeaaah! Der Stripper ist da!

Mein Freund und Anwalt lässt am Telefon ausrichten: Schöne Grüße von der Justiz an die ausführende Gewalt.

Wir nennen ihn übrigens unseren Homeofficer. Und das kam so: Mein Großer: Muss Tom heut zum Dienst? Jipp. Homeoffice geht halt schlecht als Polizist auf Streife, oder? Jipp. Dann wäre er Homeofficer. Jipp. Und seitdem trägt er seinen Namen. Homeofficer Shaby. Und das findet er sogar lustig.

Der arme Kerl. Wäre er Bäcker oder Maler würde man sagen: Aha.

Und einige können so gar nix mit dem Job anfangen. Warum macht man sowas? Wofür braucht man Polizei? Freundin Jule z.B. Was haben wir „Argumente ausgetauscht“! Wir sollten nicht immer nur sehen, dass man uns auflauert und DuDU macht. Mein bestes Argument ist immer noch: Wen rufst du denn, wenn jemand in dein Haus steigt oder dir an den Kragen will? Aber was soll ich sagen? Als ihr 5jähriger letztens mit der Polizeimütze vom Officer und Handschellen am Gürtel die Treppe runterkam konnte auch sie nur lachen.

Habe ich damit schon den ersten Anwärter für den Polizeidienst gewonnen? Auftrag erfüllt? Ich glaube nicht. Und würde ich jemandem ernsthaft dazu raten? 10Stunden- Dienste zu schrubben? Früh-Spät- Nacht? Egal ob Wochenende, Weihnachten, Ostern? Ein Wochenende im Monat frei? Den Dienstplan schon für die nächsten Jahre zu wissen, weil er bestimmt wird von oben? Sein Leben zu riskieren? Angefeindet zu werden? Früher...jaaaa, da hatte man noch Respekt vor dem ABV. Aber heute?

Also wenn einer von euch oder euren Kindern sagt, er wolle Polizist werden, dann sagt ihm: Die eigentlichen Helden sind die Feuerwehrleute! Zitat Tom. Sollte das nicht reichen sagt dem Knirps: Ok. Einzige Bedingung: Irgendwo draußen in der Altmark. Besser auf den Halligen. Oder meinetwegen hier in der Prignitz. Denn solche „Polizeiberichte“ (gefunden in der MAZ)...

oder der hier

kosten meinen Hauptstadtofficer nur ein müdes Lächeln, dass so viel heißt wie: Im Ernst???? Jaa gut, Berlin ist sicher schlimmer. Aber Schokoriegelklau? Halloooo?!

Wenn ich abends ins Bett gehe, während er sich mit verhuschten oder kriminellen Gestalten die Nächte in der Hauptstadt um die Ohren schlägt sag ich ihm scherzhaft: Danke, dass du uns beschützt. Um ihn dann liebevoll zu bitten: Pass auf dich auf. Bitte. Und das ist mein voller Ernst. Weil ich mich sorge. Weil er Hirn hat. Körperlich fit ist. Anscheinend gecastet wurde (so gut wie der aussieht ;-) UND Humor hat. Und der ist mindestens so schräg wie meiner.

Blau blau blau...